Gedenkveranstaltung am 27. Januar

Carsten Dräger

Vor nunmehr 70 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee die Konzentrationslager in Auschwitz. Bundesweit ist dieser Tag seit 1996 gesetzlich verankerter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Von den Vereinten Nationen ist er zudem 2005 zum Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust erklärt worden.

Es versteht sich von selbst und gehört zur Tradition, dass an diesem denkwürdigen Datum auch in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück jährlich wiederkehrend Veranstaltungen stattfinden, die an das wohl schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte erinnern.

Nur wenn tatsächlich Lehren aus dem damals Geschehenen, den tiefsten Abgründen menschlichen Denkens und Handelns, gezogen werden, kann es heute gelingen, Ausländerfeindlichkeit, Rassenwahn, ideologischem und religiösem Fanatismus sowie Hass und unverblümter Gewalt zu begegnen und Einhalt zu gebieten. Es darf nicht vergessen werden, wie bunt und breit die Palette derer war, die vom Nazi- Regime entrechtet, verfolgt, versklavt, gefoltert, verhöhnt, gedemütigt und gar ermordet wurden. Und das alles unter dem Deckmantel der nationalsozialistischen Ideologie, der viele Deutsche mit Begeisterung verfallen waren. Juden, Sinti und Roma, Widerstandskämpfer, Kriegsgefangene, Homosexuelle, Behinderte, Deserteure, Zwangsarbeiter, Sozialdemokraten, Kommunisten, aber auch Anhänger und Mitglieder anderer demokratischer Parteien, katholische und evangelische Geistliche, Jehovas Zeugen, Wissenschaftler, Künstler und andere mehr gehörten zu den Opfern.

Den Mitgliedern des SPD- Ortsvereins Gransee- Fürstenberg und dem SPD- Unterbezirk Oberhavel ist es seit Jahren ein Bedürfnis, am 27. Januar gemeinsam und in Abstimmung mit der Gedenkstättenleitung am Mahnmal „Die Tragende“ nahe des Schwedt- Sees in stillem Gedenken zu verharren und dort Kränze und Blumengebinde niederzulegen. Die Kranzniederlegung nahmen Norbert Schröder- Michelczak (SPD- OV) und Ludger Weskamp (SPD- Landratskandidat) in Begleitung von Birgit Beyertt, Hans- Bernhardt Beyertt, Carsten Dräger, Ernst- Friedrich Lunkenheimer (alle SPD- OV Gransee- Fürstenberg) und Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach vor.

Die anschließende Lesung aus Zeitzeugendokumenten erfreute sich regen Zuspruchs. Etwa 70 Personen versammelten sich im Veranstaltungsraum. Frau Dr. Eschebach betonte in ihrer Einleitung die inhaltliche Besonderheit der Lesung, da dieses Mal nicht die Haftzeit und der Lageralltag thematisiert wurden, sondern die Zeit nach der Befreiung im Fokus stand. Die Textpassagen unter dem Motto „Ravensbrück 1945: Der lange Weg zurück ins Leben“, ausgewählt und zusammengestellt vom Gedenkstättenpädagogen Thomas Kunz und vorgetragen von Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Schule Neubrandenburg und des Carolinums Neustrelitz, bewirkten Beklemmung und Fassungslosigkeit.

Es wurde deutlich, wie steinig und schwer sich für die Betroffenen der Weg zurück in die Normalität eines Lebens in Freiheit mitunter gestaltete. Verdrängung und immer wiederkehrende schmerzhafte Erinnerungen gehörten zum Wechselbad der Gefühle. Auch nach der Befreiung - in Ravensbrück am 30. April 1945 - verlief das Leben der Betroffenen nicht immer heiter und freudvoll. Traumatisierungen, seelische Leiden, körperliche Beeinträchtigungen und chronische Erkrankungen als Folgen der Lagerhaft avancierten oftmals zu lebenslangen Begleitern. Das belegen die vorgetragenen Auszüge aus schriftlichen Aufzeichnungen betroffener ehemaliger Häftlingsfrauen. So schrieb beispielsweise die niederländische Überlebende Aat Breur, die Ende Juli 1945 mit schwerer Tuberkulose nach Amsterdam zurückkehrte und acht Jahre in Krankenhäusern und Sanatorien zubrachte: „...Als ich aus dem Sanatorium zurück kam, hab ich mein Leben mit meinen Kindern wieder aufgenommen. Ich hatte keine Lust, zu den Treffen der Ravensbrückerinnen zu gehen. Damit wollte ich mich nicht befassen. ...Aber generell will ich mich mit den Gedanken ans Lager nicht beschäftigen. Ich träume noch nachts davon. Das ist schlimm genug. Am Tage will ich das nicht.“ Die deutsche Jüdin Esther Bejarano, die sich zum Zeitpunkt ihrer Befreiung auf dem Todesmarsch befand und im September 1945 nach Palästina zu ihrer Schwester Tosca emigrierte, äußerte sich wie folgt: „...Mirjam und ich erzählten Tosca und Hans eine ganze Nacht und den nächsten ganzen Tag von unseren Erlebnissen. Von Auschwitz, von Ravensbrück und von unserer Befreiung. ...Aber als wir all das, was sich in uns aufgestaut hatte, los waren, wollten wir unsere Ruhe haben und gar nichts mehr erzählen. ...Ich wollte nicht mehr an die Vergangenheit denken. Das gelang mir nur zum Teil, denn nachts hatte ich schreckliche Träume der Verfolgung. Die Stiefel der SS trampelten auf meinen Nerven herum...“.

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